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Im Wald nebenan


Heute Morgen ist mein Gemüt etwas angeschlagen und mein Herz irgendwie wieder ganz schwer. Ich habe unheimlich schlecht geträumt und merke, dass krebsfrei nicht bedeutet: mit einem Schnips ist alles wieder beim Alten.

Mittlerweile weiß ich aber manchmal, wie ich mich selbst da rausziehen kann. Also habe ich mir einen doppelten Kaffee gemacht und bin in den Urwald gefahren. Da lichtet sich der Nebel in meinem Kopf und die fiesen Gedanken verschwinden mit der Zeit.


Zuerst gehe ich ein bisschen spazieren und sauge die Waldluft ein. Ich liebe den Duft, vor allem wenn es etwas nass ist. Deshalb freue ich mich auf den Herbst. Aber auch, weil der Wald sich dann ganz bunt färbt. Das mag ich nämlich auch und gibt immer wunderschöne Fotos. Und die liebe ich ja auch!


Das Einzige was man um diese Uhrzeit hier sieht, sind Frauen und Männer die ihre Hunde ausführen. Manchmal kommt ein freudiges Schwanzwedeln (vom Hund - versteht sich hoffentlich von selbst), manchmal ein nuscheliges Morgen vom Besitzer. Manchmal ein freundliches guten Morgen, manchmal nur ein Lächeln, manchmal auch garnichts.

Schon oft in meinem Leben habe ich gedacht wenn mir jemand nicht zurückgrüßt: "Boah wie unfreundlich, sagt noch nichtmal hallo zurück."

Mittlerweile wurde ich aber eines Besseren belehrt. Jeder dieser Menschen hat ein Leben und ein Paket zu tragen. Mal schwerer, mal leichter. Und wenn man gerade mit dem schweren Biest auf dem Rücken unterwegs ist, ist einem vielleicht garnicht so nach einem guten Morgen oder Lächeln.

Wenn ich traurig durch den Wald gehe, garantiere ich auch für nix. Dann bin ich im Waldtunnel und kriege manches Mal nicht mit, wenn hinter oder vor mir etwas passiert. Ich merke aber schnell wie meine Laune sich ändert, wenn mir trotz meines Tunnelblicks ein guten Morgen entgegengebracht wird oder jemand einfach nur lächelt und freundlich nickt. Das meine Freunde ist der Punkt.


Ein freundliches Lächeln oder nette Worte können einiges bewirken und das Beste daran ist, dass es nichts kostet. Wenn ich also jetzt schlecht gelaunte oder traurige Menschen sehe, dann lächle ich mit Absicht. Vielleicht bewirkt das nämlich genau dasselbe wie bei mir. Die dunklen Wolken verziehen sich ein bisschen und werden heller. Das Gute daran ist ja auch: das kann jeder. Probiert's mal aus. :)


Nach ein bisschen Bewegung fange ich an die Umgebung, die Farben, den Duft und alle Geräusche die ein Wald so bieten kann, intensiv wahrzunehmen und dann weiß ich: et ist Zeit für Kaffee. Also steuer ich meinen Lieblingsplatz an. Der riesige, große, magische Baum, umgeben von anderen Bäumen, Bänken und einem kleinen Kapellchen. Auf eine dieser Bänke setze ich mich dann und kann von dort aus alles beobachten. Die Natur, den Baum, die Menschen.



Ich beobachte Frauen, die in der Runde stehen und die wiederum ihre Hunde beobachten, wie fein sie zusammen toben können. Wenn ich heute schon dabei bin was ich alles so liebe, hier noch eine kleine Winzigkeit.

Menschen zu beobachten - einfach so, ohne Hintergedanken. Ich muss auch im Restaurant, Cafe oder sonstwo immer dort sitzen, wo ich alles im Blick habe. Ich weiß, ich weiß, ich bin verrückt. Aber dazu stehe ich auch!


Eine witzige Begegnung mit einem Welpen (wie süß Welpen sind brauche ich ja wohl nicht zu schreiben!!) muss ich aber noch kurz erzählen. Der braun, weiß gefleckte Welpe... - ich gebe ihm mal den passenden Namen Süßi - hat mich auf der Bank entdeckt und ist stehen geblieben. Süßi hat mich angestarrt und war wohl neugierig was ich wohl bin. Das Frauchchen rief aber schon: "Nein Süßi, nein, hierhin, hierhin."

Anhand der nicht veränderten Haltung von Süßi denke ich, dass die Worte wohl ins eine Ohr rein und aus dem Anderen wieder raus sind. Langsam wedelte der Schwanz und ich merkte, dass Süßi kurz davor war zu mir zu kommen. Das Frauchen ist derweil schon weitergegangen und ein gutes Stück weggewesen - aber für Süßi und mich noch gut sichtbar. Dann rief sie nochmal etwas lauter, energischer und betonender: "Nein!! HIERHIN, Süßi, hierhin."

Anscheinend war das rechte Ohr zugeklappt, sodass die Anweisung des Frauchens dann links rein und auch im Kopf geblieben ist. Der Kopf drehte sich und der Hund lief mit Highspeed auf seine Besitzerin zu. Diese bückte sich schon, sehr aufgeregt und fröhlich, dass Süßi gehört hat. Das Leckerchen hatte sie parat in der Hand und war gefasst darauf, den Hund zu belohnen. Stolz zu sein. Und dann habe ich alles wie in Zeitlupe wahrgenommen, ganz wie man es in Filmen auch sieht: Süßi rannte also wie wild los, der Kopf wedelte von links nach rechts, Sabber lief aus dem Mund (konnte das nicht sehen aber so war es bestimmt), die Beine und Pfötchen schienen sich zu verheddern, so schnell war der Welpe. Wie aus dem Nichts erschien dann inmitten von tausend Stöcken hier im Wald ein mini kleiner Stock, sodass Süßi eine Vollbremsung machte. Der Staub wedelte nur so durch die Luft. Ab dann lief alles wieder in normaler Geschwindigkeit. Süßi war anscheinend erstaunt so einen schönen Stock gefunden zu haben, schnupperte wie wild daran - und zwar für Welpenverhältnisse mega lange. Frauchen hat laut geseufzt, ist aufgestanden und hat gesagt: "Och menno Süßi, dat müssen mer aber noch lernen!".


Mit erzählten Geschichten ist es ja so: in gewissen Situationen sind sie witzig und wenn man sie weitererzählt, lacht plötzlich niemand mehr. Die sogenannte Situationskomik. Kann sein, dass es mit der Welpengeschichte genauso ist. Wobei ich behaupten würde, dass jeder Hundebesitzer zumindest dachte: "Achjaaaaa...das leidige Thema mit dem Hören" und dabei gelächelt hat.


Langer Rede, kurzer Sinn (ja, es heißt wirklich langer Rede. Ich musste auch 31 werden, um das zu lernen):


1. Lächelt mehr - das tut euch und anderen gut. Vielleicht bewirkt es, dass jemand das Lächeln an jemand anderen weitergibt, dieser wiederum lächelt wieder jemand anderen an und so weiter....schon hat man gute Laune in die Welt gesetzt.

2.Hundewelpen sind süß.

3. Kennt das jemand, wenn man etwas so mega süß findet, dass man es zerquetschen könnte? Bin ich vielleicht wirklich verrückt?



In diesem Sinne,

einen schönen, sonnigen Sonntag mit schönen oder super witzigen Situationen.


Ps: mein Herz ist jetzt wieder erleichtert. :)

 
 
 

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