Immer dieses ABER
- fuchsmaedchen9
- 2. Mai 2022
- 3 Min. Lesezeit
In letzter Zeit ist mir wirklich nicht so nach Schreiberei. Da sich aber viele bei mir melden wie es mir geht, aktuell aussieht und generell weitergeht.... wollte ich mal ein paar Zeilen verfassen.
Ich bin eine Frau mittleren Alters und ich habe gehört ab dann geht es wohl auch bergab mit dem Gedächtnis? Tatsächlich habe ich keine Ahnung was der letzte Stand der Dinge ist. Wenn ich mich also wiederhole, tut es mir leid.
Wie es weitergeht:
Ich brauche keine Chemo! Die Werte der Tumoren sind gut gewesen, sodass eine Bestrahlung wohl ausreicht. Außerdem bin ich inoffiziell keine Gen-Trägerin. Inoffiziell, weil mir das ein Vögelchen gezwitschert hat. Leider erreiche ich seit einer Woche niemanden in der Praxis, um mir die offizielle Bestätigung einzuholen. Die Bestrahlung der Brust beginnt Mitte Mai und dauert zwischen 3-6 Wochen. Genauere Infos erfahre ich noch. Bis dahin versuche ich nicht verrückt zu werden. :)
Wie es aktuell aussieht & wie es mir geht:
Immer noch kämpfe ich mit den Nebenwirkungen der Wechseljahre und versuche mich da irgendwie durchzukämpfen. Meine Gynäkologin hat mir erklärt, dass Frauen in den Wechseljahren Hormone bekommen, um die Begleiterscheinungen zu lindern. Das geht bei mir natürlich nicht, da meine Hormone ja komplett runtergefahren sind und das auch so bleiben muss. Es gibt aber ein homöopathisches Mittel, was mir helfen könnte: "Equinovo". Seit Samstag nehme ich das nun und kann leider noch keine Veränderung merken. Außerdem ist das echt unverschämt teuer. Aber gut. Abwarten. Falls jemand Erfahrungen damit gemacht hat: gerne her damit!
Generell habe ich den Eindruck verrückt zu werden. Ständig denke ich es stimmt etwas nicht. Bauchschmerzen hier, Rippenschmerzen da...Und die Grenze zwischen "es stimmt wirklich etwas nicht" und "das macht der Stress und der Kopf" verschwimmt immer mehr. Mittlerweile mache ich sogar Listen mit meinen Symptomen und gehe damit zum Arzt. Das ist mir schon fast unangenehm. Aber wie soll ich denn nicht verrückt werden?
An meinen Eierstöcken sind riesige Zysten entdeckt worden. Erstmal kein Grund zur Sorge, weil es hormonell bedingt sein könnte. "ABER es muss beobachtet werden."
In meiner rechten Brust (also der eigentlich krebsfreien Brust) habe ich einen Knoten ertastet. Erstmal kein Grund zur Sorge, weil auf dem Ultraschall nichts zu sehen ist.
"ABER komisch ist es schon, weil eigentlich keine Knötchen wachsen sollten und das Brustgewebe durch die Wechseljahre viel weicher sein müsste. Das muss beobachtet werden." Hinzu kommen dann alle anderen großen und kleinen Wehwehchen. Die aufzuzählen würde einiges an Zeit kosten... das wohl Beschissenste ist der Schlafmangel. Seit meiner Diagnose habe ich genau einen Tag durchgeschlafen. Nacht für Nacht wache ich schweißgebadet, mit Herzrasen und dem Gefühl meine Brust platzt, auf. Oft kommen noch Alpträume dazu. Von Samstag auf Sonntag habe ich angefangen Opipramol zu nehmen (Antidepressivum, soll angst- und spannungslösend sein sowie beruhigend wirken). Das hat mir eine echt gute Nacht beschert. Ich habe geschlafen wie ein Stein, also setze ich ganz viel Hoffnung auf den Stoff. :)
Mir fällt es tierisch schwer, auf das Urteil der Ärzte/Ärztinnen zu vertrauen. In meinem Kopf läuft ständig ein Wilm ab: wieviele Untersuchungen ich gemacht habe, wieviele Knotenärsche dabei gefunden worden und wieviele es letztendlich waren. Das macht mir eine scheiß Angst und treibt mich wirklich an den Rand der Verzweiflung. Was ist, wenn irgendwas übersehen wurde und jetzt die Beschwerden verursacht?
Das klingt schon wieder alles so extrem negativ, aber so zu tun als wäre alles bestens wäre gelogen. Auch wenn einige meinen, dass der Krebs ja rausgeschnitten ist und damit hat sich die Sache. So einfach ist das leider nicht. Trotzdem versuche ich mich immer wieder ins HIER und JETZT zu bringen. Meine Psychoonkologin hat mir eine Entspannungstherapie organisiert, dafür bin ich super dankbar. Das kann ich jedem - unabhängig ob krank oder gesund - wärmstens empfehlen.
Langsam kann ich das Wort ABER wirklich nicht mehr hören...aber ich bekomme manchmal so schöne Sprüche zugeschickt. Heute waren zwei sehr Schöne dabei. Die will ich euch nicht vorenthalten. Mir gibt das unheimlich viel Kraft. Danke dafür!
Weil einige gefragt haben, wie meine Brust mittlerweile aussieht. Hätte nicht gedacht, dass ich das wirklich sagen kann aber: gut! Tatsächlich nicht so schlimm wie erwartet. Auch wenns komisch klingt, das erste Mal seit vielen vielen Jahren mag ich meine Brüste. Ich schaue in den Spiegel und frage mich, was ich daran mal auszusetzen hatte? Total verrückt. Außerdem sehe ich dann die Narben und denke wie verflucht stark ich war. Und bin. Und sein werde!








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