Immer noch do
- fuchsmaedchen9
- 13. Feb. 2023
- 2 Min. Lesezeit
Morgen ist der 14. Februar.
Valentinstag, das Fest der Liebenden und mein Krebsjahrestag.
Ich muss gestehen, dass ich schon vor der Krankheit kein Fan vom "Fest der Liebe" war. Irgendwie habe ich nie das große Tamtam darum verstanden. Überteuerte Blumensträuße, Pralinen in Herzform mit Sprüchen, Geschäfte überfüllt mit roten Herzluftballons und jeder Menge Zeugs. Ich mein - bei Schokolade interessiert mich eher der Inhalt und nicht die Verpackung. Um welche Leckerei handelt es sich und noch viel wichtiger: WIEVIEL ist drin?
Mein Mann und ich feiern regelmäßig das Fest der Liebe, manchmal sogar ohne es zu wissen. Nach der letzten Spritze saß ich zuhause und war sehr nah am Wasser gebaut, vor allem auch, weil ich vergessen hatte Schokolade zu kaufen. Das Verlangen nach Süß ist dann wirklich besonders schlimm. Tim machte sich auf zum Tanztraining und ich kauerte auf der Couch, mit den Gedanken bei allen Leckereien, die ein Supermarktregal so bietet. Dann öffnete sich die Haustür, Tim kam ins Wohnzimmer und legte ganz viel Schokolade auf den Couchtisch. Ich weinte vor Freude (ja, wirklich!) und dachte: Das ist Liebe.
Das ganze Jahr über machen wir uns mit Kleinigkeiten eine Freude, entführen uns auf kleine, spontane Überraschungsausflüge und feiern so unsere Liebe. Ich brauche also keinen Valentinstag, deshalb hier ein Ist-ihr-egal-Aufatmer für alle die sagen: "Krebsjahrestag... un dat auch noch an Valentinstag!"
364 Tage ist es her, dass die Diagnose mein Leben verändert hat. Je näher der Krebsjahrestag rückte, desto emotionaler wurde ich. In den letzten Wochen war ich sensibler als sonst und ich dachte, wenn der Tag der Tage kommt, das wird hart....hui. Jetzt sitze ich hier, einen Tag davor und in mir herrscht absolute Ruhe. Keine Traurigkeit, keine Wut und keine innere Welle, die mich wieder mit in den Abgrund reißen will. Einfach Stille. Das fühlt sich mega gut an!
Vor einigen Tagen habe ich mir in Gedanken ausgemalt, wie der Tag wohl abläuft. Es gibt zwei Optionen: ich versinke in Traurigkeit, weil der Tag mich an all die Strapazen und Ängste erinnert. Oder ich freue mich, dass ich noch da bin und bin stolz auf mich, dass ich die Strapazen und Ängste ausgehalten habe. Ich habe mich für Letzteres entschieden und meine Seele ist damit wohl einverstanden, sonst wäre ich jetzt nicht die Ruhe selbst.
Pläne sind die Running Gags des Lebens, deshalb habe ich nichts geplant. Ich lasse mich treiben und mache morgen einfach das, wonach mein Herz sich sehnt. Wobei ich denke, dass Schokolade ein Bestandteil davon sein wird. Aber eine Sache steht definitiv fest und dafür muss ich nochmal kurz eine kleine Anekdote erzählen:
Ich erinnere mich an den letzten Besuch meiner Schwägerin Ivonne. Wir saßen am Küchentisch, tranken Kaffee und haben folgendes beschlossen: am 14. Februar 2023, sitzen wir gemeinsam auf der Krebsbank in unserem Garten, mit einem Sektglas in der Hand und feiern, dass wir noch da sind und das Leben lieben.
Also, ich werde da sein und ich weiß, du kommst auch Ivonne. Dann trinken wir auf dich, auf mich, auf das was ist, auf das was kommt und auf das was war.
Und wer morgen etwas trinkt, kann mir gerne ein Bild schicken. Dann trinken wir gemeinsam auf die Gesundheit. Und die Liebe. Weil, ist ja Valentinstag.

Euer Fuchsmädchen.




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