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Macht Krebs böse?

Immer wieder höre ich Sätze wie: "Menschen mit Krebs verändern sich" oder "Krebs macht böse" und dachte wie hart das klingt! Warum sollte Krebs böse machen?

Meine zwei besten Freundinnen Katrin und Verena waren gestern zu Besuch. Lachen, Blödsinn machen und vor allem erzählen ist unsere Königsdisziplin. Aber gestern war alles irgendwie anders - zumindest für mich. Weil ICH anders war. Mit den Gedanken war ich immer wieder bei mir und meiner Situation. Und wenn sich einer von den Beiden über irgendetwas geärgert hat, dachte ich es gibt echt Schlimmeres Leute! Natürlich haben wir auch viel gelacht, aber selbst das fühlte sich anders an. Als die Zwei dann weg waren, habe ich einfach nur in den Armen meines Mannes geweint. Sehr lange sogar. Ich hab ihm erzählt, wie ich den Abend manchmal empfunden habe und dass ich nicht so fühlen möchte!! Und je mehr ich mich da so hineinweinte, desto pessimistischer wurde ich. Ab dann kreisten meine Gedanken nur noch um das Sterben und den Tod. Ich lag also da, weinte wie ein Schlosshund und sagte: "Ich will nicht sterben Timmi! Noch nicht!!"

WANN HÖRT DAS AUF???

Wem ist aufgefallen, dass ich eigentlich darüber schreiben wollte ob Krebs böse macht und völlig abgedriftet bin zu "ich will nicht sterben"? Denn genau das ist es, was täglich auf mich zukommt. Jedes Nachdenken endet genau mit dem Gedanken. Die Angst vor dem Tod.

Letztendlich kann ich eins sagen: ein Treffen mit Menschen über mehrere Stunden ist mir momentan VIEL zu anstrengend. Die Traurigkeit überrollt mich manchmal so unerwartet und mit einer solchen Wucht, dass selbst mein Körper mir das signalisiert. Meine Kehle schnürt sich zu, mein Kopf explodiert und meine Brust fühlt sich an, als würde jemand darauf sitzen. Die ständigen düsteren Gedanken ich könnte sterben rauben mir den Atem und tun einfach nur scheiße weh! Um mich selbst zumindest ein bisschen zu schützen, versuche ich nicht daran zu denken wie das alles für meine Liebsten ist, denn das würde mir vermutlich das Herz brechen.

Fast ausschließlich denke ich nur noch an mich und meine Situation. Andere Sorgen erscheinen mir unwichtig (obwohl sie das nicht sind. Jeder hat sein Paket zu tragen - egal wie schwer oder leicht das andere empfinden!!). Und genau so war ich nie. Gerade anderen Kummer empfand ich immer wichtiger als jede meiner Sorgen.

Deshalb kann ich für mich heute, hier und jetzt sagen: ich verstehe den Satz: "Krebs macht böse", denn genauso empfinde ich mich gerade und ich kann überhaupt nichts dagegen tun. Meine an Brustkrebs erkrankte Schwägerin sehe ich im Gegenzug überhaupt nicht so. Du bist mein kleiner Engel hier auf Erden, Ivonne. Danke für alles!

Übrigens: ich kann verstehen, dass viele sich fragen: na wie soll man denn jetzt damit umgehen? Ablenken, so tun als wäre alles normal, direkt ansprechen, viel über die Situation reden? Wenn ich es wüsste, würde ich es euch sagen. Es gibt Tage, da vertrage ich das Eine besser als das Andere und ich würde schon fast behaupten, dass nicht ich das entscheide - sondern die kack Hormone.


"Tschuldigung? Wie geht´s zur Sonne?

So fing das Ganze an.

Aus Spaß wurden beste Freunde,

auf die ich immer zählen kann.

Erinnert ihr euch an die Tage,

wo Kleberreste Popel war´n?"


Lange ist das her. Das Lied für euch ist mir heute presenter denn je! Ich hab euch lieb. DANKE für´s Aushalten.


 
 
 

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