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- fuchsmaedchen9
- 14. Apr. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Nach einer etwas längeren Pause melde ich mich mit einigen Neuigkeiten zurück.
Die Tumorkonferenz wurde um eine Woche verschoben, sodass ich erst gestern die neusten Infos und den aktuellen Stand erfahren habe. Leider immer noch nichts absolut Endgültiges, aber ich erfreue mich an dem bisschen POSITIV was ich kriegen kann. Zu Coronazeiten ja auch mal was Feines.
Die Werte der Tumore sind "gut", sodass es aktuell "nur noch" eine Bestrahlung gibt, wenn die OP Narben geheilt sind.
Gewissheit gibt es nie zu 100%, aber alle Knotenärsche konnten entfernt werden.
Es waren einzelne Herde, keine Metastasen und versteckten sich alle in einem Quadranten. Dr. D. nannte es die versteckten Spielkameraden.

Es wurden zwei Lymphknoten entfernt, da sie eng beieinander lagen. Beide nicht befallen! Da die Herde alle in einem Quadranten gefunden wurden, gibt es trotz der Vielzahl nur einen Wächterlymphknoten.
Das Ergebnis der BRCA-Bestimmung (Gen-Bestimmung) wird mir noch mitgeteilt und ist wichtig für folgendes Vorgehen: Brust ab oder nicht. Bin ich eine sogenannte Gen-Trägerin, sprechen wir von Brust ab. (Mastektomie = vollständige Entfernung der Brustdrüse) Bin ich keine Gen-Trägerin, kann die Brust bleiben. Es ist aber so, dass es keine vollständige Garantie gibt, nicht mehr an Brustkrebs zu erkranken. Deshalb fließt die eigene Meinung immer mit in die Entscheidung. Wenn man so will: der Arzt berät und gibt seine Einschätzung ab, entscheiden kann ich das Ganze aber selbst. Viele haben mich gefragt, wie ich dazu stehe. Mein Bauchgefühl sagt mir.... lieber APPETITT als neue Knotenärsche und nicht fit! Man kann auch ohne Busen schmusen.
Diese Warterei auf die Entscheidung wie es weitergeht und die ständige Angst: soviele Knotenärsche, hat der Krebs gestreut, wenn nicht jetzt - dann bestimmt irgendwann!... hat ziemlich an meinen Kräften gezerrt. Es gab sogar Momente, wo ich weinend in der Ecke unseres Sofas lag und laut ausgesprochen habe, dass ich einfach nicht mehr kann. Alles und irgendwie nichts ist mir zuviel und ich habe keine Kraft mehr. An Schlaf war auch nicht wirklich zu denken und irgendwie bin ich in ein Schlechte-Gedanken-Karussell gestiegen und bis gestern auch sitzen geblieben. Raupenbahn in Endlosschleife....
Es hörte nicht mehr auf. Kontakt zu anderen Menschen habe ich gemieden, weil es mir auch schwer fiel das alles zu überspielen. Man will ja nicht immer zeigen, wie scheiße es einem wirklich geht. Das hat sich auch extrem auf meinen Körper ausgewirkt. Nachtschweiß, ständiges Aufwachen, Pulsieren und Pochen im Kopf, Zuckungen im ganz Körper die sich wie Blitze anfühlen, Schwindel, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden, Schwächegefühl, Rastlosigkeit, Fieber, Gesichtslähmung.... und noch viel mehr.
Nachdem ich dann endlich den lang ersehnten Anruf von Dr. D. bekam, fiel schon ein Stein von meinem Herzen. Da ist mir bewusst geworden, wie krass sich mein Leben verändert hat. Ich erkenne mich selbst manchmal nicht wieder.
Eigentlich bin ich immer mit einem Lächeln durch die Gegend gelaufen, Menschen verarschen und auf den Arm nehmen, jederzeit für Blödsinn bereit sein und einen kleinen Dachschaden hatte ich sowieso. Das Leben ist ernst genug war mein Motto. Natürlich nicht nur, ihr wisst schon wie ich's meine. Diese Leichtigkeit ist mir durch den ganzen Mist total verloren gegangen. Klar gibt es jetzt auch Momente wo ich lache, aber irgendwie fühlt es sich anders an. Als würde jemand auf meinen Schultern sitzen und immer mehr Gewichte darauf legen, sodass ich ständig dagegen ankämpfen muss mich oben zu halten. Mega anstrengend.
Diesen Zustand muss ich dringend ändern. Sonst werde ich komplett irre und aus dem netten Dachschaden wird wirklich ein ernst zu nehmender Dachschaden. Deshalb versuche ich ab jetzt wieder die guten Seiten des Lebens zu sehen. Schließlich lebe ich und das sollte ich feiern. Es ist aber nicht nur wichtig das "Hier und jetzt" zu zelebrieren, sondern auch Träumen nachzujagen und sich Ziele zu stecken. Also haben wir uns im Reisebüro DIREKT mal Kataloge geholt, um uns ein Reiseziel für wenndieganzescheißemalvorbeiist auszusuchen. Eigentlich wollten wir wieder mit unserem Bulli auf die Lofoten, aber irgendwie steht uns der Sinn nach Sommer, Sonne, Meer, Cocktails, Schultern massieren und verwöhnen lassen. Habt ihr Tipps?

Es ist wichtig seine Jahre mit Leben zu füllen, statt sein Leben mit Jahren.
Denkt mal drüber nach! Mit diesem geilen Zitat wünsche ich euch schöne Ostertage! Und für die Veganer unter uns: bei mir gibt es Muttis selbstgemachte Knödel, Nussbraten und Rotweinsoße.




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