Roadtripvibes
- fuchsmaedchen9
- 23. Mai 2023
- 4 Min. Lesezeit
In letzter Zeit ist so einiges geschehen und heute finde ich endlich die Zeit einen neuen Beitrag zu schreiben. Wir sitzen nämlich aktuell in der Panorama Lounge auf der Fähre Richtung Schweden. Also habe ich acht Stunden Zeit mich davon abzulenken, dass ich auf offener See schippere.

Ich muss ein paar Punkte loswerden und weiß garnicht, wo ich anfangen soll. Aber vielleicht gute Nachrichten vorab: mein Brust-MRT hat ergeben, dass kein Rezediv oder Metastasen sichtbar sind. Juhu! Dazu gibt es noch eine kleine lehrreiche Geschichte:
Nach dem MRT besteht die Möglichkeit eine CD mitzunehmen, auf der die verschiedenen Aufnahmen der Brust gespeichert sind. Natürlich hab ich sie mitgenommen und mich zuhause sofort an den Laptop gesetzt. "Mach das besser nicht. Du machst dich nur jeck!", waren Tims Worte als er am Küchentisch bei mir saß.
"Papperlapapp. Ich weiß doch jetzt wie das aussieht. Außerdem will ich's direkt wissen."
Dann saß ich da, klickte mich von einem Bild zum Anderen. Nichts außergewöhnliches zu sehen. Doch dann ging mein Puls in die Höhe. Es folgten jede Menge Bilder mit einem Punkt, der dem des Knotenarsches verdammt ähnlich sah. Also kramte ich die alte CD heraus und verglich. Ich verbrachte wirklich eine Stunde damit und mit jeder Minute die verstrich, wurde mir immer übler. So langsam aber sicher breitete sich die Panik in mir aus, bis der Punkt erreicht war und mein Körper rebelliert hat.
"Der Krebs ist zurück.", habe ich zu Tim gesagt. Ich zitterte und schwitzte, hatte tierische Kreislaufprobleme und habe nur noch geweint. Wir setzten uns auf die Krebsbank und Tim sagte: "Wenn es so ist, schaffen wir das auch noch."
Ich nickte nur stumm, zu mehr war ich nicht in der Lage. Eine Woche sollte ich warten, bis ich Gewissheit hatte. Viel zu lange! Deshalb versuchte ich bei meiner Frauenärztin anzurufen, in der Hoffnung, sie könnte sich die Bilder ansehen oder vielleicht zeitiger an ein Ergebnis kommen. Leider hatte die Praxis zu dem Zeitpunkt aber Urlaub. Zu meinem Glück habe ich eine wundervolle Hausärztin, die meine Geschichte kennt und versteht, wie nervenaufreibend sowas ist. Sie hat sich dafür eingesetzt eher an die Ergebnisse zu kommen und so wusste ich dann also nach zwei Tagen Qual, dass dieser knotenarschähnliche Punkt einfach nur fieses Narbengewebe ist. Also: ALLES GUT.
Die Geschichte ist lehrreich, weil man: als Nicht-Radiologe niemals eine CD mit MRT-Bildern angucken sollte, öfter auf seinen Partner hören darf und es beweist, dass sich emotionaler Stress auf den Körper auswirkt.
Im letzten Beitrag erwähnte ich, dass ich meinen ursprünglichen Termin absagen musste. Eigentlich wollte ich mehr als nur ein paar Zeilen dazu schreiben. Letztendlich habe ich mich allerdings dagegen entschieden. Meine lustige, geliebte und wundervolle Oma lag zu der Zeit im Sterben und ich wollte in ihrer Nähe sein. Deshalb kam es garnicht in Frage, für mehrere Stunden weg zu sein...

Kurz bevor ich mit dem Schreiben diesen Beitrags angefangen habe, hat mich meine Frauenärztin angerufen. Sie teilte mir die freudige Nachricht mit, dass meine Prolaktinwerte wieder in eine gute Richtung gehen. Sodass ich jetzt statt wöchentlich, nur alle 2 Wochen meine Tabletten zur Regulation der Werte nehmen muss. Das schließt zwar leider das Prolaktinom nicht aus, aber solange das Schädel-MRT im Juli nichts gegenteiliges beweist, bin ich erstmal ziemlich zufrieden damit. Step-by-step-Denken quasi.
In Punkto Arthrose bin ich auf der Suche auf einem guten Orthopäden. Einige Tipps haben mich schon erreicht und werde mich mal durch Bewertungen klicken. Der jetzige Arzt hat mich wie folgt begrüßt und das ist 1:1 so passiert:
"Ach, Sie heißen Frau von Kannen? Na zum Glück nicht von dannen. Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Mammakarzinom." Das fand ich für einen Arzt, der mich nicht kennt, ziemlich unpassend. Generell gehe ich ja wirklich sehr offen damit um und mache selbst meine Witzchen...
Außerdem hat er mir mehrere Dinge erzählt und erklärt, die ich wegen des Fachchinesisch überhaupt nicht verstehen konnte. Außer eins: "Wir müssen ihre Füße durchsägen. Keine Panik, klingt schlimmer als es ist."
Statt der erhofften Beratung zum Thema, bin ich mit noch mehr Diagnosen und tausend Fragezeichen nachhaus gefahren. Deshalb möchte ich mir eine Zweitmeinung einholen. Bevor mir Dr. Frankenstein irgendwelche Körperteile zersägt, würde ich gerne erstmal wissen, warum genau. Klar oder?
Übrigens hat mich letzte Woche Freitag eine ganz liebe Journalistin zuhause besucht. Das Gespräch war sooo nett und das Ergebnis könnt ihr hier lesen:
Alternativ könnt ihr morgen ganz klassisch die Heinsberger Zeitung kaufen und den Artikel so lesen! Ganz egal ob online abonniert oder beim Bäcker nebenan gekauft - ihr unterstützt damit, dass genau solche Geschichten erzählt werden können und sich jemand im besten Fall denkt: okay, ab zur Vorsorge - denn Vorsorge ist immer noch besser als Nachsorge...
Das wäre ohne die Journalisten eben nur schwer möglich.
Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben: wir sind gerade mit unserem Bulli unterwegs nach Schweden und Norwegen. Bevor ich den Löffel IRGENDWANN abgebe, möchte ich nämlich definitiv den nördlichsten Punkt Europas sehen und eine mehrtägige Kajaktour mit Zelt und ohne Zivilisation machen. Wenn nicht jetzt - wann dann?

In den nächsten Wochen werde ich also immer wieder mal ein paar Fotos hochladen und euch ein bisschen mitnehmen. Weniger Knotenärsche und Krebs. Mehr Leben. Vielleicht hört ihr aber auch nichts und ich melde mich erst in einigen Wochen wieder. Ich weiß es noch nicht. Eine der goldenen Regeln für Roadtripvibes ist nämlich: folge deinem Herzen.
Wir machen einfach das, was sich gut anfühlt. :)
PS: Neben uns sitzt eine Frau und isst Salatblätter. Findet den Fehler.
In diesem Sinne,
Euer Fuchsmädchen.




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