Querbeet
- fuchsmaedchen9
- 26. Juli 2023
- 7 Min. Lesezeit
Nach guten zwei Monaten melde ich mich nochmal zu Wort. Es ist mal wieder jede Menge passiert, wie sollte es auch anders sein. Mein Leben ist absolut turbulent und irgendwie erwarten mich immer neue Abenteuer. Auch, wenn ich auf das ein oder andere gerne verzichten würde! Achtung: das wird wohl ein etwas längerer Beitrag. Also macht es euch gemütlich!
Manche von euch haben hoffnungsvoll auf tolle Fotos unserer Reise gewartet. Glaubt mir, ich hätte gerne noch einen Beitrag rausgehauen, während ich mit einem schönen Getränk am Fjord sitze. Aber es sollte alles anders kommen als geplant - mittlerweile sind wir das ja irgendwie auch gewöhnt. Als wir mit der Fähre endlich in Schweden angekommen sind, haben wir uns tierisch auf unsere erste Station gefreut: das Viking Republic Nature Camp.
Anfang des Jahres habe ich eine 4 tägige Kanutour in Schweden gewonnen. Ein Punkt, der auf meiner Löffelliste steht und eine Erfahrung, die ich schon lange mal ausprobieren wollte.
Wenn ich daran zurück denke, wird es mir wirklich ganz warm ums Herz. Die Natur Schwedens ist wirklich atemberaubend und das schreibe ich nicht nur so. Das ist wirklich so. Das Kanu war voll gepackt mit einem Zelt, wasserdichten Säcken für unsere Kleidung und co., einer Kiste mit Campingausrüstung und einer großen Tonne voller Lebensmittel. Die Jungs von Viking Republic haben uns erklärt, wo die schönsten Spots zum Anlegen sind, welche Routen wir paddeln dürfen und wie wir es schaffen, nicht aus dem Kanu zu fallen. Mir war es kurz vor Start nochmal wichtig, ob schon mal jemand von einem Tier gefressen wurde oder nicht mehr lebend zurückkam. Vor allem auch, wie wir Hilfe holen können, wenn etwas passiert. Ich bin da wohl manchmal etwas verrückt unterwegs, safety first sozusagen. Aber außer einem halb abgehackten Daumen, ist noch nichts Schlimmeres passiert.
Wir sind also 4 Tage lang sogut wie alleine (weil noch Vor-Saison war) über den See gepaddelt und hatten freie Auswahl, was unsere Anlege- und Schlafplätze anging. Man war das herrlich, das kann man sich auch nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Diese Stille und Ruhe da draußen - einfach gigantisch. Wir haben unser Zelt aufgebaut, eine Hängematte zwischen Bäume gehängt, geangelt, die Seele einfach baumeln lassen und gemeinsam neben einem schönen Lagerfeuer den Sonnenuntergang beobachtet. An einem Spot hatten wir sogar einen kleinen Strand. Das war unsere absolute Lieblingsinsel. Ich muss zugeben, es war schon echt sehr kalt und wir haben im Zelt gelegen mit allen Schichten Kleidung, die wir mit hatten. Aber wenn die Gedanken und vor allem das Herz mal so richtig zur Ruhe kommen, man die Geräusche des Waldes und des Wassers aufsaugt und die Seele einfach mal leicht ist.....lohnt es sich wohl die Kälte in Kauf zu nehmen. Die Entschleunigung tat richtig gut! Absolut glücklich, mit beiden Daumen und generell allen Fingern, um eine coole Erfahrung reicher, kamen wir nach vier Tagen wieder im Camp an. Voller Vorfreude auf das nächste Etappenziel: ein Besuch unserer Schwägerin, die zu dem Zeitpunkt beruflich in Trondheim war.
Bevor wir einiges an Kilometern zurückgelegt haben, war mir ein kleiner Zwischenstopp noch sehr wichtig. Eine kleine Felsformation in Egersund, der sogenannte Trollpikken. (Googelt ruhig mal wie die deutsche Übersetzung davon ist :) Es war schon mit Nervenkitzel verbunden darauf zu steigen. Weil es für Menschen mit kurzen Beinen etwas hoch war. Timmi sagte sogar noch: "PUH, ob du das schaffst mit deinen Handgelenken..."
Aber ich habe es geschafft. Es sah nicht elegant aus, das muss ich zugeben. Aber das ist egal und ist auf den Schnappschüssen auch nicht sichtbar! :)
Tja, jetzt neigen wir uns schon fast dem Ende unserer Reise. Weil der Geirangerfjord schön ist, wollten wir den natürlich auch mitnehmen. Also sind wir mit dem Bulli hoch in die Berge gefahren, um die Serpentinen am Geirangerfjord herunterzufahren. Den Ausblick genießen. Oben angekommen, waren wir erstmal total geplättet, da lag überall noch Schnee. Teilweise 2 Meter hoch. Eigentlich haben wir nur noch weiß gesehen. Ziemlich verrückt! Auf dem Weg nach unten, sah der Geirangerfjord echt wunderschön aus. Aber leider total überlaufen, da gerade ein Schiff angelegt hatte. Während wir fuhren dachten wir noch: der arme Bulli!
Dann ging alles sehr schnell. Wir warteten auf eine Fähre, die uns ans andere Ende eines Berges bringen sollte. So haben wir uns etwas Landweg gespart und der Bulli konnte sich ausruhen. Da war es wohl schon zu spät. Tuckernd sind wir von dieser Fähre heruntergefahren, mussten notgedrungen durch einen Tunnel und Tim merkte schon: da geht nichts mehr. Die Gänge haben nicht mehr gepackt, also haben wir einfach nur gehofft, nicht im Tunnel liegen zu bleiben. Als das Licht am Ende des Tunnels kam war NATÜRLICH noch ein kleiner Berg zu überwinden. Den haben wir aber nicht mehr geschafft. Mit Mühe und Not hat Tim es noch auf eine schräge Parkbucht direkt hinter dem Tunnel geschafft.
Da wir beide keine Ahnung von Autos haben, blieb uns nichts anderes übrig als den ADAC anzurufen. Hier erspare ich euch Details, sondern mache es kurz und knapp: wir wurden in die Nähe von Alesund abgeschleppt, hatten für die erste Nacht ein Hotelzimmer - das danach leider ausgebucht war - und haben dann die restlichen zwei Tage im Bulli auf dem Parkplatzgelände der Werkstatt verbracht. Traumhafter Ausblick sach ich euch!

Wir durften in der Werkstatt auf Toilette gehen, uns dort Kaffee ziehen und warteten auf das OK vom ADAC, uns Heimflüge zu buchen. Das Getriebe vom Bulli war (und ist immer noch) komplett hinüber. Kein Weiterfahren möglich. Wir haben aber einen unheimlich netten, deutschen Mechaniker kennengelernt. Ihm haben wir all unsere Lebensmittel, die nicht im Bulli bleiben durften, gegeben. Dafür hat er uns zum Flughafen gebracht. Rocco, vielen Dank nochmal für deine Hilfe! Wie abgemacht: nächstes Jahr kommen wir nochmal und trinken gemeinsam ein kühles Blondes.
Schlussendlich sind wir dann von Alesund nach Kopenhagen geflogen und von dort aus Richtung Düsseldorf. Nach 11 Stunden waren wir dann ENDLICH zuhaus. Die Reise beendet, der Bulli in Norwegen. Noch ungewiss, ob der überhaupt nach Deutschland geschleppt wird. Mittlerweile ist der Bulli aber wieder da und steht wieder auf einem Werkstattparkplatz.
So und jetzt genug von Travelvibes. Ich wollte euch noch erzählen, was sonst noch so los war in letzter Zeit. Während des Trips ist mir nämlich eine Erkenntnis gekommen: so richtig glücklich war ich in meinem Beruf nicht. Also habe ich nach vielem Abwägen gekündigt und mir etwas Neues gesucht. Einfach so. Für mich als Monk und Gewohnheitsliebhaberin echt schon krass. Jetzt bin ich seit 3 Wochen als Familienhilfe tätig und SO super glücklich damit. Es fühlt sich richtig an. Nach Ankommen. Viiiieles muss ich noch lernen, aber es ist sau spannend und ich sauge alles auf. Wer also auch irgendwie unglücklich ist mit dem, was er gerade macht: einfach was riskieren. Könnte gut werden.
Als ich dachte jetzt kehrt endlich etwas Ruhe ein, kam dann wohl der nächste Hammer. Oder zwei. Meine beste Freundin Verena aus der Eifel war zur Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt. Letzten Freitag hat sie dann das Ergebnis der Stanzbiopsie bekommen: Brustkrebs. Was zum Teufel ist denn los? Tim und ich sind Freitag über's Wochenende zu ihr gefahren. Ich war gewappnet. Tränen trocknen, Mut zusprechen, Starksein-Floskeln. Ich bin sogar extra noch schnell durch ganz Heinsberg gerannt, um einen Flamingoanhänger zu finden. Wenn ich eins aber wieder feststelle: eine Krebsdiagnose trifft jeden anders. Selbst für mich unglaublich, wie stark sie damit umgeht. Die Warterei auf das Ergebnis waren nervenzerreißend. Jetzt nimmt sie es hin, es wird operiert und bestrahlt - fertig. Ihre Worte waren: "Andere hat es schlimmer getroffen als mich. Ich hatte also Glück im Unglück". Statt selbst etwas Zuspruch von anderen zu kriegen, war sie diejenige die andere beruhigt hat. Alles wird gut. Wow!
Lieblingsverena, ich ziehe meinen imaginären Hut. Da sieht man wieder, dass Stärke manchmal nichts mit Muskeln zu tun hat. Ich bin stolz auf dich, hab dich unfassbar lieb und bin für dich da, wenn du mich brauchst! Ich drücke dir für die Untersuchungen alle Däumchen!

In der Zwischenzeit habe ich einen Anruf meiner Frauenärztin erhalten. Ihr erinnert euch an meine Prolaktinwerte, das Prolaktinom und die Schädel-MRT? In Norwegen fing es an, dass mir super schwindelig wurde. Und das hält bis heute an - vor allem wenn ich liege und dann aufstehe. Deshalb war ich mehr als nervös, was da wohl im Kopf los ist. An den Ohren kann es nämlich nicht liegen, das wurde kontrolliert. Jetzt ist das Ergebnis da: kein Hypophysenadenom zu sehen, ebenso keine Metastasen. Aber ein kleiner Tumor vorne links, der wohl ganz harmlos ist. Als ich das gehört habe, habe ich erstmal geweint. Da lief ein Film ab in meinem Gehirn, ich habe mir selbst nur noch ein paar Monate gegeben. Dann habe ich mich darauf konzentriert, dass meine Frauenärztin gesagt hat: ganz harmlos.
Tatsächlich war ich total apathisch und hab das an mir abprallen lassen. Was nützt es denn jetzt in Panik zu verfallen, wenn sowieso bald alles vorbei ist? Mir selbst und auch anderen habe ich gesagt: das ist sicher halb so wild. Es soll ja ganz harmlos sein.
Aber Angst hatte ich trotzdem. Durch die Arbeit habe ich mich gut ablenken können. Dennoch wollte ich mehr zu dem Ding im Kopp wissen. Kann das bösartig werden? Kann ich davon verblöden? Irgendwann nicht mehr schreiben oder lesen? Blind werden? Gelähmt sein? Und und und....
Deshalb jetzt nochmal offiziell und schwarz auf weiß, auch für mich:
Das ist ein kleiner, ca 5 mm gutartiger Tumor, der in der Regel sehr langsam wächst. Kann nicht entarten! Im Grunde genommen ist es sogar kein Tumor, sondern eine gutartige Neubildung der Hirnhaut. (Ich glaube es waren diese Worte). Das Schlimmste was passieren kann ist, dass es irgendwann größer wird und Beschwerden verursacht. Dann muss das Scheißteil raus. Ja, Kopf aufschneiden. Oh mannoman. Ob es vielleicht sogar den Schwindel verursacht, werde ich bald noch erfahren. Erstmal ist aber durchatmen angesagt.
Zum Schluss des ellenlangen Romans eine kleine Herzensangelegenheit von mir:


Viele haben es im Whatsappstatus oder bei Instagram geteilt. Manche per Mundpropaganda weitergegeben. VIELEN LIEBEN DANK DAFÜR. Nur durch das fleißige Teilen kann etwas Schönes daraus entstehen. Also tragt es gerne weiter in die Welt. Mittlerweile sind wir sogar schon mit 6 Frauen in der Gruppe und das erste Treffen ist für Oktober angedacht. Ich freu mich riesig und denke voller Stolz daran, wie schön Ivonne das fänd!
Over and out
euer Fuchsmädchen!






















































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