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Schau nach vorn und nicht zurück?

Heute vor einem Jahr bin ich mit einem schiefen Gesicht aufgewacht. Eine Gesichtslähmung die aussah, als hätte ich einen Schlaganfall erlitten.



Zum Glück war es keiner. Einerseits war ich froh, andererseits fühlte ich mich wie ein Monster. (Passend so kurz vor Halloween. Aber Spaß bei Seite) Mein Gesicht im Spiegel anschauen war echt eine Qual. Mir ging es elendig. Körperlich vor allem wegen einer Lumbalpunktion (da wird mit einer Nadel im Bereich des Lendenwirbel Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit entnommen - somit fehlt das Liquor im Gehirn = Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit nicht von dieser Welt). Klingt richtig fies und fühlt sich noch fieser an. Emotional, weil der Arzt im Krankenhaus gesagt hat: "Wir gehen bei Ihnen nicht davon aus, aber manchmal entwickelt sich eine Fazialisparese nicht mehr vollständig zurück.". Für immer aussehen wie ein Monster? Oh man - ich dachte: "Kann es eigentlich noch schlimmer werden???". Alle Untersuchungen haben nichts ergeben - niemand weiß bis heute warum ich plötzlich mit der Lähmung aufgewacht bin. Ein Zustand, der mich wirklich tierisch nervt.


Nach viel Physiotherapie, Logopädie und Übungen zuhause habe ich es geschafft mein Gesicht wieder in eine halbwegs normale Position zu bringen. Nur noch ein bisschen Zeit, dann ist es ein Gesicht, mit dem ich gut leben kann.


Mein Leben hat wohl die Frage: "Kann es eigentlich noch schlimmer werden???" als Aufforderung verstanden und mir direkt den Krebs hinterher geschickt. Keine Zeit zum ausruhen oder genesen - direkt weitermachen. Wie gerecht ich das alles finde, kann ich nicht in Worte fassen. Womit ich das alles verdient habe, frage ich mich gerade auch nicht (die Betonung liegt auf gerade, denn manchmal frage ich mich das wirklich noch).


Ich stelle aber folgendes fest:

Nach vorne schauen ist gut. Es muss ja irgendwann und irgendwie weitergehen. In meinem Tempo, so wie ICH es für richtig halte. Aber an gewissen Punkten lohnt es sich mal still zu stehen. Innezuhalten, tief ein- und auszuatmen und den Blick nach hinten in die Vergangenheit zu richten.

Heute ist für mich so ein Tag. Dann sehe ich mal, wieviel Scheiß ich eigentlich hinter mir habe. Wie verdammt stark ich war und immer noch bin. Was ich alles durchstehen musste. Oft auf der Couch kauernd mit Tränen, die wohl einen ganzen Fluss füllen könnten. Mit der Angst im Nacken, mein treuer Begleiter in vielen Stunden.

Genauso wie die düsteren Mantras "Ich kann nicht mehr, ich schaff das nicht.".

Und doch bin ich heute hier, kann lachen und mich immer noch an geilen Büchern erfreuen. Sehe manche Dinge viel klarer und bemerke die Wichtigkeit von den kleinen Dingen des Lebens. Mein Gesicht ist zwar nicht wie vorher, aber das ist mir ziemlich egal.

Ich bin noch da und habe auch noch vor lange zu bleiben. Bin stolz auf mich und auf den Weg, den ich gemeistert habe.


Jemand sagte mal zu mir: "Wenn du deine Knotenärsche siehst, dann bestell schöne Grüße und zeig ihm den Mittelfinger." > hab ich mir zu Herzen genommen.



Wenn du gerade etwas schwieriges oder absolut beschissenes durchmachst oder es sogar vielleicht schon hinter dir hast - ganz unabhängig von Krebs oder Krankheiten: sei stolz auf dich! Das Gefühl hast du dir mehr als verdient. Schau nach vorn aber auf jeden Fall auch hin und wieder zurück!


In diesem Sinne,

euer Fuchsmädchen



PS.: im Bereich "über Brustkrebs" kommen in den nächsten Wochen einige Beiträge hinzu, die sehr informativ sind. Einiges habe ich mit meiner Rehafreundin Nicky während der AHB zusammengestellt. Aber vorab möchte ich euch schonmal die Internetseite https://brustkrebsdeutschland.de/ ans Herz legen.




 
 
 

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