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Seelenstriptease

Eigentlich sollte ich lächeln, denn meine Schwägerin Tina kommt mit ihrer Familie aus Köln angereist, um mit uns den Tag zu verbringen. Aber irgendwie kann ich gerade nicht. Ich versuche stark und positiv zu sein. Nein, ich BIN stark und positiv. Aber trotzdem überrollt mich die Flut wie aus dem Nichts. Manchmal denke ich immer noch, wie verdammt unfair das Leben mir in die Karten spielt. Um mich herum werden alle schwanger, bekommen Kinder, sind gesund und glücklich. Und ich kämpfe seit über zwei Jahren mit jeglichen Krankheiten und werde einfach nicht schwanger. Zuletzt hatte ich eine Gesichtslähmung und mit den Folgen kämpfe ich immer noch! Ständig nicht fit sein,  obwohl organisch alles ok ist - das schlägt irgendwann aufs Gemüt und macht einen wahnsinnig. Wenn ich heute daran denke, wie geknickt ich war, weil ich Angst hatte mein Gesicht würde für immer nach unten hängen.... oh man! Nichts würde ich mir jetzt mehr wünschen, wenn dafür der Knotenarsch nicht wäre. 


Rückblickend betrachtet könnte ich schon fast lachen, dass ich mich ständig selbst unter Druck gesetzt habe abzunehmen oder mein Pickelgesicht loszuwerden. Und ich mich dadurch selbst oft nicht leiden konnte, teilweise sogar richtig gehasst und verabscheut habe..

Übergewicht, ein schiefes Gesicht, Pickel.... das ist alles überhaupt nicht mehr wichtig. Jetzt denke ich daran, wie es wohl ist zu sterben, welche verfluchte Angst ich vor diesem ganzen Weg habe der noch vor mir liegt und wie die Panik mich einnimmt, wenn ich daran denke der Knotenarsch könnte doch gestreut haben, irgendwann.. Und wenn das nicht alles schon schlimm genug ist, kommen immer wieder die Gedanken wie das Ganze wohl für meinen Mann, meine Eltern, meine Familie generell, meine besten Freunde....ist. Scheiße, allein die Tatsache ihr seid wegen mir traurig und in Sorge bricht mir das Herz. Auch wenn alle sehr positiv sind und mich das nicht spüren lassen, wie belastend und schmerzhaft die Situation gerade ist...

Mein Mann sagt immer: "Du musst die Karten ausspielen, die du hast. Und aufgeben ist nicht!". Das und der Satz meiner Schwägerin Ivonne: "Gefühle kommen lassen, sie zulassen und umarmen aber auch wieder gehen lassen."


Das sind meine Mantras, die ich mir immer wieder sage. Und dann denke ich an den ganzen Rückhalt. Mein Mann, der überall mit hinfährt, meine Hand hält, mich in den Arm nimmt und sagt wir schaffen das. Meine Eltern, die ständig um mein Wohl besorgt sind und mir sagen ALLES WIRD GUT. Mein Bruder mit seiner Familie, die in Gedanken immer wieder bei mir sind und alles tun würden, damit es mir gut geht. Meine beste Freundinnen und meine Schwiegermutti, die gute Gedanken schicken und an mich glauben! Meine Schwägerinnen, die wie Schwestern für mich sind und mir immer wieder Mut machen. Frau T., die mir das Gefühl gibt ich sei eine besondere Patentin. Und alle anderen Menschen, die mir hier Kommentare hinterlassen oder mir schreiben, mir Dinge vor die Haustür stellen.. Und dann ist es nämlich genau so: Ich lasse die Gefühle kommen, ich lasse meine Gefühle zu und umarme sie und jetzt dürfen sie auch wieder gehen! 


Ich habe ja gesagt, ich werde hier nichts beschönigen. Auch solche Gedanken gehören mal dazu. Also falls ihr mal Samstag um 07:30 Uhr aufsteht und blöde Gedanken habt....lasst sie kommen, lasst sie zu, umarmt sie und dann lasst sie gehen!

 
 
 

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