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!Servus!

Aktualisiert: 5. Okt. 2022


Schöne Grüße aus dem Allgäu in Bayern.



Das Schicksal meint es gut mit mir. Am Donnerstag letzte Woche habe ich einen Anruf von der Klinik meiner Anschlussheilbehandlung erhalten.

“Hallo Frau von Kannen, Sie stehen auf der Corona-Warteliste. Könnten Sie vielleicht schon am Dienstag, den 20.09.2022 anreisen?”


JA FREILICH. Da sag ich nicht nein!


Es hieß also diverse Arztbesuche, Telefonate, hier und da alles regeln und für mindestens drei Wochen packen. Das Resultat: ich habe 2 Koffer, 1 riesen Tasche, 3 mittlere Taschen, einen Rucksack für die Therapien, einen für unterwegs und meine Gitarre eingepackt. Das Lustige ist ja, dass es in meinen Schränken kaum auffällt. Aber zum Anziehen habe ich natürlich NIE etwas.


Mit der Bahn anreisen würde 10 Stunden Fahrt inkl. 7x umsteigen bedeuten, deshalb hat sich mein Mann schon wieder bereit erklärt mich zu fahren. Knappe 8 Stunden, uiuiui. Dieses Mal hieß es aber direkt wieder zurück. Eine Frau hier in der Klinik sagte: “Na wenn des net Liebe isch.” Das ist wahr. Danke Timmi!


Meine ersten zwei Tage waren durchwachsen. Am ersten Tag habe ich nur geschlafen und hatte kein Programm - was war ich froh! Montag habe ich spontan noch die Coronaimpfung bekommen, sodass ich Dienstag echt platt war. Gestern gab es dann schon Programm - unter anderem Aquafit. Jetzt kann ich es wohl offiziell machen - ich bin eine Wasserratte geworden. Ich glaube das liegt einfach daran, dass man im Wasser die Schokolade und das Eis nicht an der Hüfte und den Knien merkt. Eigentlich fühle ich mich eher so leicht wie eine schöne leichte Fee.


Heute hatte ich ein kleines Tief. Irgendwie bin ich deprimiert und traurig. Die Klinik, die Therapien und Menschen erinnern mich daran, in welcher Situation ich mich befinde. Heut Morgen hätte ich nur heulen können - das hab ich auch getan. Was raus muss, muss raus. Ich habe es laufen lassen, dann wurde es besser, dann lief es wieder, dann wurde es besser. Das kennen bestimmt viele oder? Meine Gedanken waren so düster und ich merke an solchen Situationen immer noch, dass ich öfters noch in der warumistmirdaspassiert- oder wieverdammtunfairallesist - Gefühlsspirale bin.


Umso schöner fand ich es dann, als ich bei der Schulter-Arm-Gymnastik eine Frau kennengelernt hab, die mich dann später spontan eingeladen hat mit ihr und ein paar anderen Frauen ins kleine Städtle Scheidegg zu gehen. Dort sind wir in einem unglaublich süßen Café eingekehrt, wo es Kuchen und Torten gibt, die von der Besitzerin und ihrer Tochter mit ganz viel Liebe gebacken werden. Ich habe nur einen Kaffee getrunken. Ob ihr es glaubt und nicht. Dabei sahen die wirklich echt lecker aus. ABER - der Speck muss ja runter - nützt ja nüscht. Diese Frauen haben mir also schon ohne es zu wissen den Nachmittag gerettet. Außerdem liebe ich den bayrischen Akzent und über viele Dinge muss ich dann auch wirklich herzlich lachen.


Bevor ich die AHB antreten konnte, habe ich mir eigentlich fest vorgenommen niemanden kennenzulernen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich keinen an mich heranlassen möchte und noch viel weniger wollte ich mich emotional auf irgendwen einlassen. Nochmal einen Menschen verlieren durch den Krebs…nein. Meine liebe Schwägerin Maria hat mir eine schöne Nachricht mit vielen PRO BEGEGNUNGEN geschickt und die Erfahrung heute mit meinem Tief und den Frauen, hat mich dann doch umgestimmt. Ivonnes Schicksal ist nicht meine Geschichte oder die eines anderen Menschen. Außerdem können uns "Begegnungen und Gespräche mit anderen Personen beflügeln, bereichern und gute Erinnerungen schaffen". Das halte ich mir wieder und wieder vor Augen.


Eine kleine Anekdote: beim ersten Mittagessen setzte sich eine Frau zu mir. Sie ist am gleichen Tag angereist und wir kamen ins Gespräch. Mir fällt auf, dass es unwichtig ist wie man heißt, wie alt man ist, was man beruflich macht. Es geht erstmal um den Menschen, um die Geschichte dahinter, um das Schicksal, warum man hier in AHB oder Reha ist. Irgendwann im Laufe des Gesprächs habe ich dann erfahren, dass sie Yvonne heißt. Wie verrückt ist das bitte, ich jedenfalls hatte Gänsehaut.


Zur Klinik kann ich noch nicht viel sagen. Außer, dass das Essen leider echt verdammt gut ist und ich froh bin, dass ich mittags nur eine Portion vorgesetzt bekomme. Die Ärzte/Ärztinnen und Therapeuten/Therapeutinnen sind sehr nett und kompetent. Das gfällt ma richtig guad. Am besten gefällt mir alles im Wasser.


Außerdem habe ich hier Apfeltee für mich entdeckt. Der ist ja so wahnsinnig lecker! Und ich wette wenn ich ihn zuhaus kaufe, schmeckt er mir nicht mehr so wie hier. Wer kennt das noch?


Bevor ich meinen Roman beende (ich wollte mich eigentlich ganz kurz fassen), möchte ich noch einen Tipp für alle Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden bzw. Hitzewallungen raushauen:


Morgens und abends nach dem Essen ein kleines Glas Wasser mit einem TL Apfelessig!


Keine Ahnung, ob es hilft. Aber man klammert sich an jeden Strohhalm den man kriegen kann. Ich probiere es seit gestern Morgen und bin gespannt.


Die Sonne ist schon längst untergegangen, daher pflanzt sich meine Wenigkeit jetzt ins Bett. Und am Ende des Tages denke ich, auch das Tief von heut ist im Laufe des Tages besser geworden. Trotzdem freue ich mich, den Tag abzuhaken und morgen wieder einen Neuen zu beginnen.



Guadnacht.


 
 
 

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