Step by step
- fuchsmaedchen9
- 22. Apr. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Mein euphorisches Vorhaben den Blick wieder auf das Gute und Positive zu richten, fällt mir noch tierisch schwer. Mir war bewusst, dass es natürlich nicht leicht ist sich von negativen Gedanken zu befreien, den Kreislauf zu durchbrechen und einfach so aus der Raupenbahn auszusteigen. Eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt oder eine Fahrt rückwärts ist halt doch irgendwie immer mit drin. Gewollt oder nicht.
“Früher” habe ich super gerne traurige Lieder gehört. Gerne habe ich mich der Traurigkeit und Melancholie so richtig hingegeben. Warum weiß ich auch nicht, so war ich eben. DAS kann ich nicht mehr, weil irgendwie alles schon traurig genug ist. Gute-Laune-Lieder sind angesagt! Allein das hilft mir den Teufelskreis ein bisschen einzureißen, sodass ein kleiner Lichtstrahl durchschimmert. Und Vitamin D soll ja bekanntlich gut für die Laune sein.
Generell versuche ich tatsächlich meinen Alltag mit schönen Dingen auszufüllen. Spontan ans Meer fahren, wieder ins Lesen einfinden, Freunde und Familie besuchen, Ukulele spielen, spazieren gehen, Eis essen, unseren Garten genießen….und viel mehr.
Sachen die mir gut tun, mich entspannen und die mich meine Situation zumindest für kurze Zeit vergessen lassen.
Für viele sieht es manchmal so aus, als wenn es mir blendend geht und ich ganz viele tolle Sachen erlebe. JA - oft geht es mir körperlich und auch manchmal emotional gut. Nicht immer will ich darüber reden oder möchte, dass Andere meinen Kummer merken. Aber hinter tollen Bildern steckt trotzdem noch ein angeschlagener, krebskranker Mensch. Der immer noch in Behandlung ist, Nebenwirkungen hat und verzweifelt versucht wieder Fuß zu fassen ohne an allem zu zerbrechen.
“Jeder, den du kennst, kämpft in einer Schlacht, von der du nichts weißt. Sei nett. Immer.” Robin Williams
Gestern noch habe ich die dritte Zoladex-Spritze (also die Spritze mit der dicken Nadel, die meine Eierstöcke lahm legt - das muss sein weil meine Knotenärsche hormonabhängig waren) bekommen und die hat mich wieder ordentlich umgehauen. Dann merke ich wieder ganz extrem: Ok Jessi, du bist halt gerade nicht 31 Jahre alt sondern 51. Und du und dein Körper hatten nicht 20 Jahre Zeit sich darauf vorzubereiten. Wenn man so will: du wurdest von jetzt auf gleich ins eiskalte Wasser geschubst. Wer schonmal im kalten Wasser geschwommen ist weiß, wie sehr man strampelt bis es endlich warm wird. Vor allem anfangs bleibt einem auch ein bisschen die Luft weg. (Ok - ich bin auch echt eine Mimi was das angeht….) Trotzdem erlebe ich das von Zyklus zu Zyklus neu.
Aber ich versuche trotzdem die guten Tage oder Dinge anzunehmen, sie wertzuschätzen, aufzusaugen und für schlechte Zeiten in Erinnerung zu halten. Um genau dann Kraft daraus zu ziehen.
Alles ist schon irgendwie aushaltbar, solange ich keinen Krebs habe. Mit der Zeit wird alles sicherlich leichter, davon bin ich fest überzeugt. Step by Step. Und wenn es mal zwei Schritte rückwärts geht, mache ich beim nächsten Mal vier nach vorn. Irgendwann erreiche ich dann mein Ziel. Nämlich, dass ALLES WIEDER GUT WIRD!
Die Augen öffnen für die kleinen Dinge. Ein guter Spruch an einer Wand zum Beispiel.
Dankbar sein für die Menschen, die jeden Schritt auf irgendeine Art und Weise mit einem gehen. Ganz offensiv oder defenstiv, ganz lautstark oder leise, im Vordergrund oder Hintergrund. Manchmal sogar ohne es zu wissen. Und es vor allem auch immer wieder sagen, denn vielleicht bereut man es irgendwann das nicht getan zu haben.
DANKE!










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