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Think pink

Zunächst möchte ich mich im Namen von allen Familienmitgliedern und besonders dem Mann von Ivonne bei allen bedanken. Es hat uns wirklich beeindruckt, wieviel Anteilnahme und Mitgefühl uns entgegengebracht wurde. Selbst von Menschen, die wir nicht kennen. DANKE.


Die Beerdigung war nochmal ein hartes Stück, denn irgendwie bedeutete das auch abzuschließen, weiterzumachen, nach vorne zu schauen und ja, auch Ivonne loszulassen. Ich war auf vieles gefasst, aber es hat mich trotzdem überwältigt - auf gute Weise.


Ivonne hatte sich gewünscht, dass ihr Sarg angemalt wird. Das wurde vor der Beisetzung im Kreise der Familie gemacht und war unheimlich emotional und gleichzeitig schön. Das war wohl der farbenfrohste Sarg, den ich je gesehen habe. Viele, viele Menschen kamen in weißer oder heller Kleidung, alle mit einem rosanen Akzent - denn die Farbe Rosa begleitete Ivonne seit der Krankheit. Eine Schwester und die Mutter haben eine wunderschöne Rede gehalten, es lief ICH LIEBE DAS LEBEN und einige haben mitgewippt und gesungen. Jeder durfte sich nochmal verabschieden und zum Schluss durften die Kinder weiße Luftballons mit rosa Bändern in die Luft fliegen lassen. Wie es der Zufall wollte, hatten meine Nichte Mila (17) und ich ebenfalls einen in der Hand. Wir haben uns gegenseitig dazu hinreißen lassen, unsere Luftballons anzustacheln schneller in die Luft zu fliegen als der jeweils andere. Total bescheuert, war aber super witzig und wir wussten beide: Ivonne hätte das geliebt!


Ach, die Beerdigung hätte Ivonne gefallen. Genau so, wie es war.


Obwohl ich selbst noch ordentlich Tränen vergossen habe, fühlte ich mich danach befreit. Ich habe gefühlt, dass Beerdigungen nicht bedeuten mit der Traurigkeit abzuschließen, ab dann ein neues Kapitel aufzuschlagen oder die Person für immer loszulassen. Für mich zumindest nicht.


Manchmal bin ich immer noch traurig und kann es noch nicht ganz greifen. Vor allem, wenn mein Verstand mir wieder Streiche spielt und in jedem Knubbel und Pieksen Krebs oder Metastasen sieht. Das traurig sein darf aber auch einen Platz einnehmen. Ich habe auch kein neues Kapitel aufgeschlagen oder Ivonne für immer losgelassen. Im Gegenteil sogar.

Ich lese das Kapitel neu und sehe einige Zeilen gerade jetzt mit anderen Augen. Auch wenn Ivonne nicht mehr körperlich hier ist, sehe ich sie in jedem Sonnenstrahl. Weil Sonne mir gute Laune bringt und das konnte Ivonne mit ihrem Humor IMMER. Zieht ein Gewitter auf, sehe ich sie in den Wolken und im Regen - denn der sorgt für klare Gedanken und verwischt die Teufel, die ich an die Wand gemalt habe. So fühlte ich mich nach jedem Telefonat mit ihr.

Vielleicht klingt das kitschig, vielleicht sogar ein bisschen verrückt. Aber für mich ist das ein Trost, dass sie immer noch da ist. Anders, aber nah genug, dass ich beruhigt sein kann.


When the sky turns pink, it's time for a drink. Cheers Ivonne.


Gerne würde ich euch noch eine Geschichte erzählen, die im Anschluss an die Beerdigung beim Beisammensein passiert ist: meine Nichte Mila und ich saßen etwas abseits in einer Lounge, nippten an unseren kühlen Getränken und unterhielten uns über dieses und jenes. Plötzlich und wie aus dem Nichts erschien ein weißer Luftballon mit einer hellblauen Schnur neben uns - auf Augenhöhe. Wir schauten uns an und dachten hä, wo kommt der denn jetzt her?!

Bis wir das registriert hatten, schwebte das weiße Herz in den Pavillon - vorbei an den Menschen, ebenfalls in Augenhöhe. VERRÜCKT, dass das niemand gesehen hat. Wir haben noch geschrien: “TINA, MAMA, MARTIIIIINA.”, in der Hoffnung der Ballon würde bemerkt. Aber nüscht. Dann hielt das Herz wieder kurz an und flog dann aus dem Pavillon in Richtung Gartentür. Da verharrte er dann für einige Sekunden, ehe er in die Lüfte flog. Wir sind überzeugt davon, dass Ivonne sicherlich mal nach dem Rechten gucken wollte. Ob auch wirklich alles so läuft, wie sie es geplant und sich gewünscht hatte. Ich für meinen Teil bin super froh, dass wir das beide gesehen haben. Sonst hätte ich mich selbst vermutlich wirklich für verrückt erklärt.



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Funfact:


Letzte Woche Donnerstag konnte ich meine ersehnte Anschlussheilbehandlung in Bayern antreten. Eeeendlich mal durchatmen. Ein Arztgespräch, eine Rundführung, ein paar Spaziergänge, ein Besuch im Alpenfreibad und 2 Nächte später ging es mir dann so schlecht, dass ich auf Corona getestet wurde. Samstag Mittag durften wir dann abreisen: POSITIV.

Zum Glück hatte ich schon Postkarten gekauft mit “Schöne Grüße aus dem Allgäu”...es war ein extrem teurer Kurztrip. Aber immerhin war der Eintritt im Freibad günstig. Immer das Positive sehen, richtig?



 
 
 

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