Von Strahlen und Stacheln
- fuchsmaedchen9
- 6. Juni 2022
- 3 Min. Lesezeit
Einige Zeit ist vergangen und ich blicke auf elf Bestrahlungen zurück. Von Montag - Freitag kriege ich eine Portion Strahlen, die die eventuell restlichen Knotenärsche zerstören und weiteres Ausbreiten von Krebszellen verhindern sollen.

So sieht das Gerät aus. Es wirkt riesig und hat mir anfangs ziemlich Angst gemacht. Die blinkenden Lichter (dienen zur Einstellung meines Körpers in die richtige Position), die Geräusche (das Ding bewegt sich um einen herum), die Menschen die da irgendwas einstellen und dabei immer wieder auf die Brüste starren (müssen sie ja), das laute Geräusch wenn die Strahlen aus dem Teil kommen....und das alles natürlich mit strengen Atemübungen und wehe du bewegst dich. Dann bekommt man eine Brille aufgesetzt, durch die man Balken sieht, die die Atmung darstellen. Wichtig ist ein grünes Kästchen, da muss nämlich die Luft gehalten werden. Das Ein- und Ausatmen dient übrigens dazu, dass naheliegende Organe nicht beschädigt werden.
Die ersten zwei, drei Male wurde mir dadurch irgendwie schmerzlich bewusst, dass ich nicht nur eben eine Erkältung habe, die irgendwann wieder abklingt. Sondern eine verdammt ernste Krankheit, die mich das Leben kosten kann. Die mir eine scheiß Angst einjagt. Diese Erkenntnis tat weh, obwohl ich das ja schon seit fast vier Monaten weiß. Angekommen und angenommen ist und habe ich die ganze Situation dann doch vielleicht nicht.
ABER (und dieses Male ein verdammt gutes ABER) bisher halten sich die Nebenwirkungen in Grenzen und ich bin SO dankbar dafür. Ja...die Brust zwickt, piekt und schmerzt manchmal ordentlich. Die bestrahlte Region ist empfindlich, etwas warm und dunkel gefärbt. Ich bin müde und würde am liebsten den ganzen Tag schlafen....Nichtsdestotrotz ist das alles auszuhalten. Schlimmer geht immer, so blöd das auch klingt: das ist mir ein Trost. Deshalb möchte ich nicht meckern und versuche mich da durchzukämpfen.
Gegen die Müdigkeit gehe ich regelmäßig joggen und auch wenn ich nicht die Schnellste bin: ich gehe während der Bestrahlung laufen. Eines Tages kann ich dann vielleicht auf meinen Weg zurückblicken und stolz sein, nicht aufgegeben zu haben. In meinem Herz wohnt wohl ein kleiner Löwe.
Beim letzten Mal habe ich erwähnt, dass mir noch einige Sachen durch den Kopf schwirren. Davon will ich heute nur ganz kurz erzählen: Wie ihr wisst, wollen mein Mann und ich natürlich irgendwann Familie haben. Durch meine Tabletten bin ich mindestens fünf, wahrscheinlich eher zehn Jahre in den künstlich herbeigeführten Wechseljahren. Das bedeutet: keine Schwangerschaft. Es würde die Option geben, die Therapie nach zwei Jahren für einige Zeit zu unterbrechen, um schwanger zu werden. Dann besteht aber die Gefahr, dass wieder ein Tumor wächst. Will ich das? Wollen wir das?
Schon vor meiner Krebsdiagnose haben wir uns mit dem Thema Adoption auseinandergesetzt. Es gibt soviele kleine Seelen auf der Welt, die sich über ein schönes Zuhause und verdammt coole Eltern freuen würden. Die es verdient haben geliebt zu werden. Das war irgendwie unser Anker. Unser Segel um nach dem ganzen Sturm irgendwann in Richtung Familie zu segeln. Aber leider haben wir herausgefunden, dass Krebspatienten keine Kinder adoptieren dürfen. Man gilt als Hochrisiko. Das hat uns nochmal ordentlich runtergezogen. Weitere Kommentare spare ich mir, denn erstmal ist wichtig: gesund werden. Danach wird sich alles fügen. Bis dahin sind wir einfach der coole Onkel und die noch coolere Tante für unsere Nichten und Neffen.
Wie ihr seht, wird es irgendwie nie langweilig und die ganze Situation stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Mit verdammt vielen Tiefs aber auch immer mehr werdenden Hochs. Manchmal gibt es noch Tage, wo ich heulend auf dem Badezimmerboden liege, die Beine angewinkelt, umschlungen von meinen Armen (immerhin geht das, kann ich ja auch mal positiv sehen). Ich leide dann wirklich richtig schlimm. Aber durch die Hilfe von lieben Menschen um mich herum, schaffe ich es immer wieder aufzustehen. Neue Kraft zu schöpfen und weiterzumachen.
Dieser Spruch zum Beispiel hat mich während so einer Phase ordentlich zum Lächeln gebracht:

Ich habe gelernt, dass negative Gedanken Probleme noch größer machen, aber die Zukunft nicht ändern können. Also merken: Wenn das Leben dir einen Kaktus schenkt, musst du dich nicht auch noch draufsetzen.





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