Was wäre wenn?
- fuchsmaedchen9
- 29. Juli 2022
- 3 Min. Lesezeit
Seit etwas mehr als fünf Monaten weiß ich von meiner Diagnose und manchmal kann ich immer noch nicht begreifen, dass ich durch so eine Scheiße muss. Dann überkommt mich die Welle der Angst ganz plötzlich und versucht mich immer wieder tiefer mitzureißen. In solchen Momenten fühle ich mich ganz hilflos und allein - obwohl liebe Menschen an meiner Seite sind. Noch immer habe ich nicht gelernt, wie ich mich selbst retten kann. Werde ich das überhaupt jemals können?
Die Zeit heilt alle Wunden - so heißt es doch. Nur wann fangen meine Blessuren an sich zu erholen? Von der AHB hatte ich mir soviel erhofft, endlich ein Weiterkommen und Weitermachen. Alles verarbeiten mit Hilfe von Profis. Es wäre ja auch einfach zu schön, wenn mal irgendwas glatt laufen würde. Immerhin konnte ich einen Kurzantrag stellen und musste nicht wieder 100 verwirrende Blätter ausfüllen.
Ich merke wieder, dass ich mich nach außen hin stärker zeige als ich in Wirklichkeit bin. Warum ist das so? Kann mir das jemand erklären?
Corona hat mich nochmal ordentlich umgehauen, aber es wird täglich etwas besser! Was mir momentan wieder ein bisschen Sorge bereitet ist die Brust. Sie schmerzt vor allem nachts ganz gewaltig. Ich habe das Gefühl, dass der "blaue Fleck" unter der Narbe wächst und irgendwas in mir arbeitet. Laut den Ärzten/Ärztinnen ist alles normal, aber wie kann man sowas beurteilen, wenn niemand mal fühlt? Alle schauen sich die Brust an, sagen es sieht normal aus und das war es. Beruhigt bin ich dadurch überhaupt nicht. Wie kann man sowas denn beurteilen mit dem bloßen Auge?
Seit einiger Zeit habe ich auch pieksende Schmerzen in den Knochen und Gelenken. Natürlich denke ich dann wieder an Knochenmetastasen. Seit einem Monat schiebe ich meine Nachsorge vor mir her. Die AHB kam wie gerufen - "danach kann ich die Nachsorge immer noch machen", so habe ich gedacht. Jetzt bin ich vorübergehend wieder hier und habe dennoch nichts unternommen. Ich habe Angst, was dabei rauskommt und scheue mich wirklich davor einen Termin zu vereinbaren. Wo mache ich das überhaupt und was wird gemacht? Das hat mir nie jemand erklärt.
Ich weiß wie wichtig die Nachsorge ist. Früher oder später muss ich da durch. Aber diese Warterei auf Ergebnisse....ich halte das nicht aus und allein der Gedanke daran macht mich einfach irre. Vielleicht will ich es lieber nicht wissen. Noch einen Rückschlag ertrage ich einfach nicht. Denn mein Gefühl sagt mir schon, dass ich auf dieser Erde nicht alt werde. Auch wenn es niemand hören will, weil es wehtut. So ist mein Gefühl und ich kann es nicht ändern...
Vor allem Ivonnes Tod hat mir gezeigt, wie verflucht schnell ein Leben vorbei sein kann. Aber auch, wie wichtig es ist sich vorher mit einigen Dingen auseinanderzusetzen.
Was wäre wenn ich sterbe?
Wie und wo will ich beerdigt werden? Was soll mir angezogen werden oder will ich verbrannt werden? Welche Lieder würde ich mir wünschen? Wer darf sich meine Bücher unter den Nagel reißen und was passiert generell mit meinen persönlichen Gegenständen? Worum muss mein Mann sich kümmern, wenn ich tot bin? Welche Aufgaben kann jemand anders übernehmen, um meinen Mann zu entlasten? All solche Dinge eben - auch wenn es meinen Liebsten wehtut, dass ich mich damit beschäftige. Es muss sein und das finde ich nicht nur in meinem Fall wichtig sondern immer. Auch als gesunder Mensch sollte man Vorsorge treffen - das ist im Falle eines Todes vor allem für die Hinterbliebenen eine enorme Entlastung.
Ich suche gerade also nach einem passenden "Was wäre wenn-Buch", das ich ausfüllen kann. Gerne auch mit persönlichen Fragen! Ivonne hat selbst eins angelegt, alternativ mache ich es genauso. Vielleicht hat aber trotzdem jemand Tipps?

Heute also nochmal ein etwas düsterer Beitrag - aber ich habe ja versprochen: nichts als die nackte Wahrheit. Beim nächsten Mal wird es bestimmt wieder bunter und heiterer..




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